Bürgerentscheid Offenburg,Sind Sie für die Entwicklung des Sonderlandeplatzes (Flugplatzes) zu einemGewerbegebiet auf Offenburger Gemarkung?
Rolf Leonhardt am 30. Dezember 2025 um 10:14
Gedanken dazu:
Die Entscheidung durch den Bürger treffen zu lassen ist eine grundsätzlich gute
Entscheidung und kann zu mehr Akzeptanz führen. Damit die Einwohner von Offenburg
jedoch eine Entscheidung treffen können, gehört eine umfassende Information und der
Raum für Bürgerdiskussionen dazu. Beides ist derzeit aus meiner Sicht nicht gegeben.
Bisher beschränkt sich die Information auf Verlautbarungen im Offenblatt (Nr. 37, 38, 39,
40, 43), auf der Internetseite der Stadt Offenburg (https://2026.buergerentscheid-
offenburg.de/) und Veröffentlichungen in der Tagespresse.
Veröffentlicht wurde bisher nur, dass eine Erweiterung der Gewerbeflächen notwendig ist.
Das ganze wurde nicht mit konkretem Bedarf begründet. Der zusätzliche Bedarf wird mit
dem Gutachten der Stadtentwicklungsfirma Buff begründet. Zusätzlich werden allgemeine
Argumente wie Wirtschaftsförderung, Zukunftfähigkeit etc. angeführt ohne dass diese
weiter ausgeführt werden. Das dafür in Auftrag gegebene Gutachten der Firma Buff weißt
noch eine Kapazität von 78 ha aus.
Der Bericht der Stadtentwicklungsfirma Buff wurde Anfang Dezember 2025 übergeben
wurde, aber bereits im Offenblatt 35 Seite 5 durch den Offenburger Wirtschaftförderer Butz
in die Richtung der Erweiterung der Gewerbeflächen ein Interview gegeben wurde.
Am Ende gipfelt die allgemeine Argumentation in die Behauptung oder Drohung, dass man
nur mit dem Gewerbegebiet Flugplatz „Garanten für unsere Arbeitsplätze, für die
Ausbildungsplätze unserer Kinder und hoffentlich auch noch für die unserer Enkel. Ihre
Gewerbesteuer ist die Grundlage für den Erhalt und den Ausbau von Kitas, Schulen, sozialen
Einrichtungen, Sportplätzen, Schwimmbädern, Straßen und Brücken.“
Das sind alles allgemeine Aussagen, die beliebig an jedes politische Vorhaben geheftet werden
können.
Alles in allem werden die Bürger nur dazu aufgefordert, der Entscheidung des Bürgermeisters und
der Stadträte zuzustimmen und damit die politische Verantwortung für den Beschluss zu
übernehmen.
Die Bürger werden aber zu einer Entscheidung aufgefordert und um diese treffen zu
können, benötige ich Antworten auf folgende Fragen:
- Warum sind die zur Entscheidung führenden Gutachten nicht öffentlich einsehbar?
- Wo gibt es einen öffentlich zugänglichen Plan, wo die beanspruchte Fläche
eingezeichnet ist? - Wo ist eine faktenbasierte Neutrale Präsentation von Pro und Kontra? Bisher tritt
die Stadt nur als Arbeitgebervertreter auf. Hier wäre eine möglichst neutrale
Moderationsrolle angemessener. - Warum findet die öffentliche Diskussion mit den Verantwortlichen von der Stadt erst
eine Woche vor der Wahl statt? - Wer trägt die politische Verantwortung, dass die bisherigen Flächen so schlecht
geplant und vergeben wurden, dass keine großen Flächen mehr bereit stehen? Gibt
es dazu Untersuchungen bzw. ein Umdenken auf Seiten der Stadtplaner? Warum
benötigt man unbedingt 20 ha als zusammenhängende Fläche, gibt es dafür bereits
Bewerber die uns Bürgern vorenthalten werden? - Der jetzige einzige Bewerber benötigt 0,8 ha Fläche aus dem neuen
Gewerbegebiet. Allein sein Parkplatz für die Beschäftigten entspricht in etwa der
Fläche. Hat die Stadt hier bereits Gespräche über eine nachhaltige Überbauung
geführt, um zukünftig bei Unternehmern auch eine Mehrfachnutzung von Flächen
zu etablieren? - Warum konzentriert sich das Anliegen auf das Flugplatzareal? Was passiert
zukünftig mit den Flächen östlich des Flugplatzareals neben der B33. Hier wären
auch noch mehr als 20 ha zu erschließen. (https://m-joachim.de/Flugplatz-
Offenburg.php)
- Das Flugplatzareal liegt zu einem Drittel auf der Gemarkung von Hohberg. Gibt es
dort auch schon einen Gemeinderatsbeschluss die Fläche umzuwidmen? - Der Flugplatz liegt mitten in den noch freien Flächen südlich von Hilboltsweier. Was
ist zukünftig mit den Flächen westlich und östlich geplant? - Wird mit Hilfe des Gewerbegebietes versucht den Autobahnanschluss als
Verlängerung der B33 doch noch zu erreichen? - Warum erweitert man nicht das Gewerbegebiet Elgersweier nach Osten bis zum
Ortsteil Elgersweier? Der bisher einzige vorgestellt Bewerber für eine Fläche,
kommt aus diesem Gewerbegebiet? - Ist das Gewerbegebiet tatsächlich nur für produzierendes Gewerbe vorgesehen?
Gibt es dabei Einschränkungen, da das Gewerbegebiet in unmittelbarer Nähe zu
Uffhofen und Hilboltsweier entsteht? - Wo gibt es Untersuchungsergebnisse für die Auswirkungen des Gewerbegeietes
auf die betroffenen Ortsteile Hilboltsweier, Kreuzschlag und Uffhofen? Besonders
sollten die Auswirkungen auf die Immobilienpreise/Mieten, Grundwasser, Verkehr
und Naturvernichtung untersucht werden. - Wie will man bei derzeit schon 36000 Einpendler und 14100 Auspendler täglich
(Offenblatt Nr. 35 Seite 4) den Verkehrsinfarkt verhindern? Gibt es dazu schon
Überlegungen, die bestehenden Verkehrswege auszubauen? - Was passiert mit den wertvollen Magerwiesen mit ihrer Artenvielfalt? Gibt es dazu
schon Kartierungen? Wie groß sind diese Flächen? Ggf. gibt es schützenswerte
Arten. Auch wenn man die Flächen nicht bebauen sollte, werden die Magerflächen
verschwinden, da durch die unmittelbar daneben liegende gewerbliche Nutzung
nicht verhinderbarer Eintrag von Nährstoffen (Stickstoff durch Autoabgase)
geschehen wird. - Mit welchen Erschließungskosten incl. Neubau der Straßeninfrastruktur der Stadt ist
zu rechnen? - Gibt es Untersuchungen, über die zu erwartende Steigerung der Einwohnerzahl
und den damit verbundenen Kosten für Bildung, Soziales und Kultur? - Wie will die Stadt die Klimaziele mit dem Ausbau der Gewerbeflächen erreichen?
Welche zusätzlichen Anstregungen kommen auf uns Bürger zu?
Fazit:
Als Bürger fühle ich mich nicht informiert und zu einer Entscheidung in eine vorgegebene
Richtung gedrängt. Demokratie lebt vom Austausch der Argumente für pro und kontra.
Dies findet derzeit nicht statt. Bisher hat der Bürgermeister und die Stadtabgeordneten die
Entscheidung vorbereitet und sie kennen alle Details. Warum scheuen sie sich nun, die
Verantwortung zu übernehmen. Warum wird jetzt ein Bürgerentscheid initiiert, wenn man
sonst auch nicht die Bürger bei Bauentscheidungen, wie z.B. dem nördlichen Stadttor
fragt? Warum tritt die Stadt ausschließlich als Anwalt der Arbeitgeber auf? Können oder
wollen diese nicht für sich sprechen?
Es fehlt eine neutrale Präsentation von Pro und Contra von Seiten der Stadt.
Ich wende mich deshalb gegen den Bürgerentscheid und rufe dazu auf mit NEIN zu
stimmen.
Dieser Bürgerentscheid ist der Versuch eine längst in der Stadtverwaltung getroffene
Entscheidung mit dem Label Demokratische Entscheidung anzuheften.






