Hitzige Debatte: So war die Info-Veranstaltung zum Bürgerentscheid:
Rolf Leonhardt am 1. März 2026 um 20:48Franziska Heck
Offenburg
Sie ist seit 2023 Lokalredakteurin in Offenburg. Mittelbadische Presse, ( Offenburger Tageblatt )
Es war die dritte Infoveranstaltung zum anstehenden Bürgerentscheid, es war die größte – und die letzte. In sechs Tagen ist es schon so weit, dann dürfen 47.000 Abstimmungsberechtigte in Offenburg ein Kreuzchen setzen. Mindestens 9400 davon müssen entweder mit Ja stimmen, also für die Entwicklung des Sonderlandeplatzes zu einem Gewerbegebiet, oder mit Nein, damit das Ergebnis bindend ist. Wie auch immer dieses Ergebnis ausfällt: „Es gibt auch einen 9. März“, erinnerte OB Marco Steffens am Freitagabend in der Oberrheinhalle, „und da sollten sich alle noch in die Augen sehen können“.
Von ungefähr kam diese Aussage nicht, denn bei der Infoveranstaltung wurde es hitzig. Schon bevor der offizielle Teil startete, diskutierten die interessierten Bürger an 20 Infotafeln herzhaft miteinander, die Wörter „Umweltschutz“ und „Gewerbesteuer“schossen wie Ping Pong-Bälle durch die Luft, Hände fuchtelten wild herum, Notizen wurden gezückt.
Grünes Gewerbegebiet
Auf der Bühne präsentierte zunächst Leon Feuerlein, Abteilungsleiter Stadtplanung, den aktuellen Stand der Planung. Er musste selbst einräumen, dass die Gewerbegebiete in Offenburg aus den 1960er/1970er-Jahren „das Thema Grün nicht besonders ernst nehmen“. Aber das wolle man bei diesem Vorhaben besser machen – Feuerlein sprach von einem grün gestalteten Gewerbegebiet mit vielen Baumpflanzungen.
Im Anschluss hatten neun Akteure jeweils dreieinhalb Minuten Zeit, ihren Standpunkt zu erläutern, um verschiedene Blickwinkel zu präsentieren (siehe Info unten). Danach konnten Zuhörer Fragen an das Podium stellen.
Kritik an Fliegergruppe
„Fliegen ist umweltschädigend, ich habe deswegen viel Lärm auf meiner Terrasse, und der Verein folgt keinem gemeinnützigen Zweck“, wandte sich etwa ein Mann an Cynthia Huber von der Fliegergruppe. „Wie können Sie es gegenüber gemeinnützigen Vereinen verantworten, ein Gelände mit Millionenvermögen kostenlos zu nutzen?“ Sichtlich überrumpelt von dieser Frage, konnte Huber darauf nichts erwidern.
Steffens schaltete sich ein und bemerkte, dass es in Offenburg in der Tat keinen Verein gebe, der so viel Fläche mit nur so wenigen Mitgliedern nutzt. „Unser Hobby passt eben nicht in einen Rucksack wie ein Tennisschläger“, entgegnete Huber, und außerdem würden andere ja auch Emissionen verursachen, wenn sie etwa Auto fahren. „Es ist aber ein Unterschied, ob ich Auto fahre, um zur Arbeit zu kommen, oder zum reinen Vergnügen über Offenburg fliege“, meinte ein anderer aus dem Publikum.
Warum so ein Wirbel?
Ein weiterer Zuhörer wandte sich an Steffens: „Das Gewerbegebiet auf dem Flugplatz entspricht bei der Gesamt-Gewerbefläche in Offenburg rund vier bis fünf Prozent, die dazukommen.“ Die Frage werde aber so hochstilisiert, als würde die ganze wirtschaftliche Zukunft der Stadt davon abhängen, dass jetzt an dieser Stelle ein Gebiet entwickelt wird. Steffens: „Die 20 wichtigsten Unternehmen dieser Stadt machen 80 Prozent der Einnahmen aus. Insofern hat das natürlich eine deutliche Wirkung!“
Wie viel die Gewerbesteuer eigentlich im städtischen Haushalt ausmacht, wollte ein anderer Bürger wissen. Laut Steffens waren das im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro. „Davon bleiben rund 40 Millionen Euro bei uns. Das heißt auf zehn Jahre gerechnet: 400 Millionen Euro haben oder nicht haben.“
Arten müssen geschützt werden
Eine Frau hatte recherchiert: „Zum Schutz der Arten ist es verboten, die Fläche zu bebauen, die Stadt muss erst eine Ausnahme beantragen.“ Laut Steffens sei das „daily business“ (das tägliche Geschäft). Außerdem blieben mehr als zwei Drittel der Fläche „ja komplett unangetastet“.
Eine andere Frage lautete, wie man das Gewerbegebiet denn möglichst umweltfreundlich gestalten könne. Steffens nannte die Fassaden- oder Dachflächenbegrünung, die die Temperatur im Inneren senken würde. „So wird weniger Energie benötigt, um das Gebäude zu kühlen oder beheizen.“
Stephan Trahasch von der Hochschule ergänzte, dass auf Zufahrtswege geachtet würde, damit möglichst viele mit öffentlichem Nahverkehr kommen können. Und Werner Mäurer von Hiwin stellte klar: „Es ist nicht im Sinne der Industrie, einen Bauklotz zu bauen – kein Mensch will mehr in einem Bunker arbeiten, wir müssen attraktive Arbeitsplätze gestalten.“
INFO: So argumentierte das Podium
Thomas Rothkegel, Vorstand der Einwohnergemeinschaft Offenburg-Hildboltsweier, kritisierte den Zeitdruck hinter der Maßnahme, denn nichts sei wirklich geplant, zu viel noch unklar. „Das ist wie ein Flugzeug, das ohne Kompass startet. Gefährlich und unsicher! Wer jetzt zustimmt, steigt ins Flugzeug in dem Wissen: Am Ziel gibt’s noch keine Landebahn.“
Rolf Leonhardt, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz“ erinnerte daran, weshalb Städtereisen so beliebt sind: „Wohl nicht, um triste Gewerbegebiete in Augenschein zu nehmen, sondern um Orte aufzusuchen, die eine Geschichte zu erzählen haben.“ Viele Offenburger hätten eine emotionale Bindung zum Flugplatz entwickelt. Er sei Ausflugsziel, biete hohen Freizeitwert und eine Reservefläche, die es so in der Stadt nicht mehr gibt. „Und das soll einem gesichtslosen Gewerbegebiet weichen?“
Auch Axel Fink, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Uffhofen, warb für ein Nein. Sein Stadtteil sei ohnehin bereits stark betroffen, „deshalb darf Uffhofen nicht erneut zum Leidtragenden werden“. Ein Blick nach Elgersweier zeige, dass ein angrenzendes Gewerbegebiet eine dauerhafte Belastung für den Alltag sei.
Die bis dahin lauteste Reaktion aus dem Publikum – regelrechte Jubelschreie – erntete Petra Rumpel vom BUND. Ausgleichsmaßnahmen für die Naturflächen seien zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber viele Studien würden zeigen, dass lediglich ein Viertel dieser Flächen gut umgesetzt werden. Es gebe keine Kontrollen, oft fehle das Fachwissen. „Die Hoffnung, Naturzerstörung tatsächlich ausgleichen zu können, erweist sich als Illusion.“ Abschließend fragte sie rhetorisch, ob ein paar neu gepflanzte Bäume bei den vielen Tausend Tonnen Treibhausgase, die durch die Bebauung entstünden, einen nennenswerten Ausgleich leisten können.
Als Erster für ein Ja plädierte Stephan Trahasch, Rektor der Hochschule Offenburg. Er sei mit vielen Unternehmen in Kontakt und wisse, dass sie sich gerade überlegen, wohin sie expandieren – nach Offenburg oder ins Ausland? „Deshalb ist jetzt eine wichtige Zeit, Signale zu senden, damit die Arbeitsplätze nicht abwandern.“ Und auch Studenten werde man sonst verlieren, weil sie dorthin gehen, wo sie Praxissemester absolvieren können. „Eine starke Wirtschaft bietet den jungen Menschen eine Perspektive.“
Marco Steffens verglich die Stadt mit einem Körper. „Das starke Herz sind unsere Unternehmen. Und das Herz pumpt Blut durch den Körper.“ Einnahmen, die die Stadt durch Unternehmen generiert, verwende sie für Kitas, das Freizeitbad, Feste wie die Heimattage – eben, um das Leben für alle besser zu machen. „Wenn das Herz schlägt, geht’s dem ganzen Körper gut.“ Zuletzt wies der OB „bei aller Liebe zur Natur“ darauf hin: „Wir würden nur 2,8 Hektar von mehr als 100 Hektar Magerwiesen versiegeln.“
Werner Mäurer, Geschäftsführer der Hiwin GmbH, erinnerte, wie Alt-OB Wolfgang Bruder 1988 rund 6000 Quadratmeter für Hiwin zur Verfügung stellte. „Hätte Offenburg für uns keine Fläche gehabt, wären wir heute einfach woanders.“ Er machte auch deutlich, dass es ohne freie Gewerbeflächen keine Interessenten gibt. „Das ist, als würde im Zinser-Schaufenster ein Zettel hängen: Sagen Sie uns, welche Hosengröße Sie brauchen, wir antworten in wenigen Jahren.“
Cynthia Huber von der Fliegergruppe Offenburg blickte nostalgisch auf den Flugplatz. Als Kind lernte sie dort Radfahren, heute startet sie mit einem Pilotenschein. „Der Flugplatz ist deshalb mehr als eine Fläche mit Nutzen für Wirtschaft, er gehört zu Offenburg wie die Kinzig, wie Burda. Er ist Teil unserer Geschichte, Heimat und Identität.“
Alwin Wagner vom IHK Südbaden stellte mit einem Blick ins Publikum fest: „Ihnen allen geht’s verhältnismäßig sehr gut.“ Und das liege daran, dass Offenburg eines der wirtschaftlichen Kernzentren der Region sei, das bringe Wohlstand mit sich. „Aber wir dürfen nicht nur auf uns schauen, sondern auch auf alle Generationen, die folgen. Da ist wirtschaftliche Entwicklung genauso wichtig wie die ökologische Entwicklung.“ Wagner bemerkte auch, dass Flächen „ein riesen Thema“ für die Unternehmen seien. Es sei bei IHK-Umfragen am schlechtesten bewertet – mit hoher Relevanz.
Info
Verschiedene Blickwinkel: Warum Ja, warum Nein?
Thomas Rothkegel, Vorstand der Einwohnergemeinschaft Offenburg-Hildboltsweier, kritisierte den Zeitdruck hinter der Maßnahme, denn nichts sei wirklich geplant, zu viel noch unklar. „Das ist wie ein Flugzeug, das ohne Kompass startet. Gefährlich und unsicher! Wer jetzt zustimmt, steigt ins Flugzeug in dem Wissen: Am Ziel gibt’s noch keine Landebahn.“
Rolf Leonhardt, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz“ erinnerte daran, weshalb Städtereisen so beliebt sind: „Wohl nicht, um triste Gewerbegebiete in Augenschein zu nehmen, sondern um Orte aufzusuchen, die eine Geschichte zu erzählen haben.“ Viele Offenburger hätten eine emotionale Bindung zum Flugplatz entwickelt. Er sei Ausflugsziel, biete hohen Freizeitwert und eine Reservefläche, die es so in der Stadt nicht mehr gibt. „Und das soll einem gesichtslosen Gewerbegebiet weichen?“
Auch Axel Fink, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Uffhofen, warb für ein Nein. Sein Stadtteil sei ohnehin bereits stark betroffen, „deshalb darf Uffhofen nicht erneut zum Leidtragenden werden“. Ein Blick nach Elgersweier zeige, dass ein angrenzendes Gewerbegebiet eine dauerhafte Belastung für den Alltag sei.
Die bis dahin lauteste Reaktion aus dem Publikum – regelrechte Jubelschreie – erntete Petra Rumpel vom BUND. Ausgleichsmaßnahmen für die Naturflächen seien zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber viele Studien würden zeigen, dass lediglich ein Viertel dieser Flächen gut umgesetzt werden. Es gebe keine Kontrollen, oft fehle das Fachwissen. „Die Hoffnung, Naturzerstörung tatsächlich ausgleichen zu können, erweist sich als Illusion.“ Abschließend fragte sie rhetorisch, ob ein paar neu gepflanzte Bäume bei den vielen Tausend Tonnen Treibhausgase, die durch die Bebauung entstünden, einen nennenswerten Ausgleich leisten können.
Als Erster für ein Ja plädierte Stephan Trahasch, Rektor der Hochschule Offenburg. Er sei mit vielen Unternehmen in Kontakt und wisse, dass sie sich gerade überlegen, wohin sie expandieren – nach Offenburg oder ins Ausland? „Deshalb ist jetzt eine wichtige Zeit, Signale zu senden, damit die Arbeitsplätze nicht abwandern.“ Und auch Studenten werde man sonst verlieren, weil sie dorthin gehen, wo sie Praxissemester absolvieren können. „Eine starke Wirtschaft bietet den jungen Menschen eine Perspektive.“
Marco Steffens verglich die Stadt mit einem Körper. „Das starke Herz sind unsere Unternehmen. Und das Herz pumpt Blut durch den Körper.“ Einnahmen, die die Stadt durch Unternehmen generiert, verwende sie für Kitas, das Freizeitbad, Feste wie die Heimattage – eben, um das Leben für alle besser zu machen. „Wenn das Herz schlägt, geht’s dem ganzen Körper gut.“ Zuletzt wies der OB „bei aller Liebe zur Natur“ darauf hin: „Wir würden nur 2,8 Hektar von mehr als 100 Hektar Magerwiesen versiegeln.“
Werner Mäurer, Geschäftsführer der Hiwin GmbH, erinnerte, wie Alt-OB Wolfgang Bruder 1988 rund 6000 Quadratmeter für Hiwin zur Verfügung stellte. „Hätte Offenburg für uns keine Fläche gehabt, wären wir heute einfach woanders.“ Er machte auch deutlich, dass es ohne freie Gewerbeflächen keine Interessenten gibt. „Das ist, als würde im Zinser-Schaufenster ein Zettel hängen: Sagen Sie uns, welche Hosengröße Sie brauchen, wir antworten in wenigen Jahren.“
Cynthia Huber von der Fliegergruppe Offenburg blickte nostalgisch auf den Flugplatz. Als Kind lernte sie dort Radfahren, heute startet sie mit einem Pilotenschein. „Der Flugplatz ist deshalb mehr als eine Fläche mit Nutzen für Wirtschaft, er gehört zu Offenburg wie die Kinzig, wie Burda. Er ist Teil unserer Geschichte, Heimat und Identität.“
Alwin Wagner vom IHK Südbaden stellte mit einem Blick ins Publikum fest: „Ihnen allen geht’s verhältnismäßig sehr gut.“ Und das liege daran, dass Offenburg eines der wirtschaftlichen Kernzentren der Region sei, das bringe Wohlstand mit sich. „Aber wir dürfen nicht nur auf uns schauen, sondern auch auf alle Generationen, die folgen. Da ist wirtschaftliche Entwicklung genauso wichtig wie die ökologische Entwicklung.“ Wagner bemerkte auch, dass Flächen „ein riesen Thema“ für die Unternehmen seien. Es sei bei IHK-Umfragen am schlechtesten bewertet – mit hoher Relevanz.
Bildnachweis:
Andreas Wenck













13:00 (vor 24 Minuten)